Industrie-Schmalspurbahn Raubach – Roßbach/Oberdreis 900 mm Spurweite

Nach Inbetriebnahme der Staatsbahn Siershahn – Altenkirchen am 30. Mai 1884 beantragte die Grubenleitung, die Roßbacher Erzgrube mit einer Industrie-Schmalspurbahn an die neue Bahnlinie anzuschließen. In der Nähe des Raubacher Bahnhofs entstand eine Schüttrampe, mit Gleisanschluß zur Staatsbahn. Von der Erzgrube Roßbach legte man einen Abzweig zur Tonzeche „Guter Trunk Marie“ bei Oberdreis.
Beide Unternehmen teilten sich die Kosten des Bahnbaues.
Für die Erzgrube: Gute Hoffnungshütte
Für die Tonzeche: Martin & Pagenstecher
Der Bahnbau wurde im Laufe des Jahres 1886 fertiggestellt.
Landespolizeiliche Prüfung und Abnahme erfolgte Mitte November 1886.
Damit konnte der Transport von Eisenerzen, Ton, Kohle und Grubenmaterialien eröffnet werden.
Die Hauptbetriebszeit der Eisenerzgrube  war von 1892-1898.
Waren um 1884 schon 140 Personen hier beschäftigt, so wuchs die Belegschaft in wenigen Jahren auf 200 an. Schon im Jahre 1897 gingen die Förderzahlen zurück. Billiges Erz aus dem Ausland drängte auf den deutschen Markt, so daß sich die Gute Hoffnungshütte (GHH) im folgenden Jahr entschloß, den Betrieb auf der Roßbacher Grube einzustellen. Am 17. August 1898 erfolgte die Stilllegung.
Im Kriegsjahr 1941 gab es eine staatliche Untersuchung für die Westerwälder Erzgruben, zu einer eventuellen Wiederaufnahme des Betriebes. Leider nicht für die Roßbacher Grube. Bis zur 200 m Sohle waren alle Erze abgebaut, um rentabel zu sein, wäre eine Ausbeute von 5000-6000 t notwendig gewesen. Zwar seien in größerer tiefe noch Erze vorhanden, jedoch die Erschließungsvorarbeiten zu kostspielig um gewinnbringend fördern zu können.
(Aus Wäller Heimatjahrbuch 1997: die Grube Roßbach von Robert Lotz, Roßbach)

Nach Stilllegung der Grube Roßbach war die Grubenbahn für die Tonzeche weiter in Betrieb.
Im Jahre 1956 Betriebsende und Abbau der Grubenbahn nach Raubach. 
Aus der Jung-Lieferliste von Jens Merte sind folgende Daten bekannt: 

Dampflok Fabrik Nr. 718, Baujahr 1904, 60-70 PS,  8,80 t  Typ Bn2t,  Spurweite  900  geliefert 23.02.1904 Gewerkschaft Guter Trunk Marie,  Roßbach - Oberdreis/Westerwald
Dampflok Fabr. Nr. 1549, Baujahr 1911, 125 PS - 14,2 t  Typ Bt, Spurweite  900, geliefert  23.09.1911 Gewerkschaft Guter Trunk Marie, Roßbach-Oberdreis/Ww.
 

Zwei Fotos von der letzten Dampflok stammen von dem ehemaligen stellvertretenden Betriebsleiter der Tonzeche der mir auch einige Informationen ab ca. 1950 mitteilen konnte. In den fünfziger Jahren waren 2 Jung-Dampfloks für 900 mm und 2 Dieselloks für 600 mm vorhanden. Als 1956 die 900 mm Grubenbahn nach Raubach abgebaut wurde, verblieb ein Reststück von 1,5 km Länge zwischen dem Werk und der Tongrube. Die ältere Jung-Dampflok aus dem Jahr 1904 wurde verschrottet.

Zwei Feldbahn-Dieselloks  600 mm und eine Jung-Dampflok 900 mm blieben weiter in Betrieb. Mit der 600 mm Feldbahn wurde der Ton aus den Loren in die hölzernen Kastenwagen der 900 mm Bahn umgeladen, diese brachte den Ton per Dampflok ins Werk zur Verarbeitung. Hier wurden die Tone je nach Sorte weiterverarbeitet.  So wurden u. a. im Schachtofen zu Schamotte gebrannt, Wandsteinen und Kokillen für Hüttenwerke, Lanzen für  Entschwefelungsanlagen hergestellt.

Die letzte Fahrt auf der 1,5 km Schmalspurbahn fand im November 1963 statt.

Die letzte Jung Dampflok zur letzten Fahrt 1963
Feldbahnlok Denkmal unten links Diema 1504 in Oberdreis - rechts in Roßbach
 
Beitrag erstellt im Dezember 2016

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