Eisenbahnüberführung über die B 255 in Niederahr

Im Zuge der Ortsumgehung und Neubau der B 255 bei Niederahr, wurde eine neue Eisenbahnbrücke für die ex KBS 425 zwischen Niederahr und Meudt notwendig. Das Gelände für den Neubau liegt mitten im Tonbergbaugebiet einer stillgelegten Tongrube und der im Abbau befindliche Tongrube „Pfeul“ der Firma Sibelco. Diese hat hier einen eigenen Gleisanschluß. Für die Zufahrt zum Tonwerk mußte ebenfalls eine neue Betonbrücke über die zukünftige Ortsumgehung gebaut werden.  

Schon im Jahre 2013 wurde die Bahnstrecke in diesem Bereich mit Hilfsbrücken ausgestattet. Unter diesen wurde der Damm abgetragen und für die Gründung von Pfeilern und Brückenköpfen vorbereitet.

Für die Fundamente in Lehm und Tonböden bedarf es einer besonderen Technik.

Mit einem Riesenbohrer werden ca 80 cm breite Löcher ca 10m tief in den Untergrund gebohrt.  Dann werden große Stahlkörbe herabgelassen und mit Beton ausgefüllt. Auf diese Grundierung wurden dann die drei Brückenpfeiler und die beiden Brückenköpfe aufgesetzt.  Allein die Bohrarbeiten dauerten in dem schwierigen Gelände  mehrere Monate.

Diese Bohrungen können bis zu 20 m oder mehr Tiefe erreichen.

Ganze Firmenkomplexe werden so in dieser Ton- und Lehmreichen Region errichtet. Diese Bohrungen können bis zu 20 m oder mehr Tiefe erreichen. Auch beim Bau der Neubaustrecke Köln-Frankfurt wurde diese Technik im Bereich der BAB 3 zwischen Elgendorf und Eschelbach angewendet.

Im Laufe des Jahres 2015 wurden dann die Pfeiler und die Brückenköpfe hergestellt.

Neben dem Streckengleis wurde dann im September 2015 die neue Stahlkonstruktion des Überführungsbauwerkes aus 5 Teilen zusammen-geschweißt. Gesamte Länge 110 m und 418 t schwer.

Die Fertigstellung der Pfeiler und dem talseitigen Brückenkopf standen kurz vor der Fertigstellung. An den Hilfsbrücken wurden seitliche Traversen angebracht um die Hilfsbrücken ausschwenken zu können.
Ab dem 4. Dezember wurde die Strecke für den Güterverkehr gesperrt. Die Sperrung dauerte bis zum 21. Dezember.
 

Am 5. Dezember wurde die Stahlkonstruktion mit Hilfsrädern auf das Streckengleis geschoben. Tags darauf mit einer starken Seilwinde der holländischen Spezialfirma ALE wurde schließlich die Konstruktion auf dem Streckengleis abgelassen, sie rollte langsam in die endgültige Position hinab. Ein beeindruckendes Schauspiel, begleitet von zahlreichen Schaulustigen.

Bei unserem Beuch am folgenden Wochenende ruhte die Brücke bereits auf dem Talseitigen Brückenkopf und den Pfeilern. Am oberen Brückenkopf liefen dazu die Betonierung und Hangsicherung.

 
Fotos vom 3. Oktober 2015 - Brücke neben dem Steckengleis
 
Fotos vom 5. Dezember - Brücke auf dem Streckengleis
 
Fotos vom 6. Dezember - Brücke rollt auf dem Streckengleis zur Einbauposition
 
Fotos vom 12. Dezember - Brücke ist auf den Pfeilern und Widerlagern abgesenkt

Diese Fotos sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne Genehmigung nicht weiterverwendet werden.

 

Brückenauschreibung der  DB ProjektBau GmbH im Namen und auf Rechnung der DB-Netz AG
EÜ Niederahr.
Der Landesbetrieb Mobilität Cochem-Koblenz (LBM) plant im Zuge der B 255 den Bau der Umgehung Niederahr-Hahner Kreuz {bei Hahn am See im Westerwald}. Im Rahmen der Straßenführung wird ein neues Kreuzungsbauwerk auf der Bahnstrecke 3747 (Erdbach-Montabaur) notwendig. Die eingleisig geführte, nicht elektrifizierte Strecke 3747 dient dem regionalen Schienengüterverkehr.

Die zulässige Geschwindigkeit (VzG) beträgt im Bereich der EÜ 50 km/h in beiden Richtungen. Die Strecke wird im Zugleitbetrieb (ZLB) nach KoRil 436 betrieben. Die Änderung der verkehrlichen Situation ist durch die Erneuerung der Anlage nicht vorgesehen.
Die zu planende Brücke soll die B 255 mit Hilfe eines vierfeldrigen Überführungsbauwerkes kreuzen und soll unter Eisenbahnbetrieb erstellt werden.
Das Ingenieurbauwerk ist Bestandteil der durch den Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) bereits durchgeführten Planfeststellung der Umgehungsstraße B255.
Hauptmasse:
Baugrube: 23.000 m³,
Bodenverbesserung mittels Monopfähle: 2.500 m³,
Flachgründungen: 1.123 m³,
Pfeiler: 90 m³,
Widerlager: 380 m³,
Stahlüberbau: 418 t Stahl.
Beginn 5.2.2013 Abschluss 8.5.2014

Aktenzeichen beim Auftraggeber (DB Projektbau): bekannt
Tag der Zuschlagsentscheidung: 11.1.2013
Anzahl der eingegangenen Angebote: 10
Name des Wirtschaftsteilnehmers, zu dessen Gunsten der Zuschlag erteilt wurde
ARGE EÜ Niederahr 06842 Dessau DEUTSCHLAND {federführend wohl Stahlbau Dessau GmbH & Co. KG}

Endgültiger Gesamtauftragswert:
Niedrigstes Angebot 5 668 765 und höchstes Angebot 7 306 530 EUR
Es können Unteraufträge vergeben werden!

Quelle: Forum Drehscheibe Online,

 
Im Laufe des Jahres 2016 wurden die Fahrbahnen unter dem Bauwerk fertiggestellt. Dabei stellte sich heraus, dass der mittlere Pfeiler falsch gebaut war, es konnten keine zwei Fahrspuren bergwärts eingerichtet werden, weil das Lichtraumprofil eingeengt war. Anscheinend hatte die Planung zwischen dem Straßenprojektträger LBM und der DB AG nicht funktioniert. Die DB hat die Pläne ohne Absprache geändert. Eine Kontrolle der Baufortschritte hat demnach nicht stattgefunden. Eine Änderung des Pfeilers hätte zusätzliche Kosten von 9 Mio erfordert. Das hätte den Kostenrahmen der Gesamtbaumaßnahme von 52 Mio (12 Mio teurer als geplant nach 10 Jahren Bauzeit) erheblich belastet. So werden unterhalb der Brücke nur zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Die 5,7 km lange Umgehungsstraße wurde am 28. November 2016 eröffnet.
Die Brückenbaupanne zog sich durch alle Medien und war sogar "Hammer der Woche" im ZDF Länderspiegel.
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