Die Geschichte der Glashütte in Wirges/Westerwald „Siemens Glas“ (1895-1957)

Errichtung der Werksanlagen mit rund 2000 Arbeitern 1891-1894 von der Fabrik feuer- und säurefester Produkte Aktien Gesellschaft mit dem Sitz in Vallendar.
1894 Aufnahme der Schamotteproduktion mit 200 Beschäftigten. Im Jahre 1894 beschloß die Verwaltung den Bau einer Glasfabrik und einer chemischen Fabrik, in denen 600 Arbeiter Beschäftigung finden sollten. Mitte November 1895 folgte die Herstellung von Flaschen und Großglas, Ballonflaschen für chemische Erzeugnisse. Ende 1896 waren hier über 1000 Arbeiter beschäftigt. Mit dem Bau der Glasfabrik entstanden die Arbeitersiedlungen Asbach I und II und Dornberg I. 1897 ging die chemische Fabrikation in Betrieb. Die Arbeitersiedlung wurde erweitert mit Dornberg II und III.

Anlagen in Wirges 1898: Chamottefabrik, Glasfabrik, Verschlußfabrik, chemische Fabrik.

Von der Sohle der Haupttongrube wurde der Ton mit einer kurzen Seilbahn direkt in die Fabrik gefördert.

1898 brannte die Säurefabrik ab, wurde nicht mehr aufgebaut.

Mit der Glasproduktion trat eine ernsthafte Konkurrenz der keramischen Krugproduktionen auf. Noch um 1900 wurden in Ransbach, Baumbach, Höhr-Grenzhausen, Hilgert, Siershahn, Mogendorf und Wirges 10 Mio Tonkrüge für diverse Mineralbrunnen hergestellt. Die Glasflasche trat ihren Siegeszug an.

Konkurs im Laufe des Jahres 1901 durch Mißwirtschaft der Direktion.

1902 erwirbt die Aktiengesellschaft für Glasindustrie, vormals Friedrich Siemens Dresden die Fabrikanlagen mit der Flaschenfabrik, Chamottefabrik und Verschlussfabrik in Wirges.

Friedrich Siemens, Konstrukteur des ersten Gas-Regenerativofens im Jahre 1859. Dieses Feuerungssystem und seine Erfindung der Wannenschmelzöfen brachten eine vollständige Umwälzung in der Glasindustrie hervor. Damit legte er den Grundstein für die deutsche Flaschenindustrie und baute im In- wie im Ausland seine Wannenöfen.

Aus den Siemens’schen Unternehmen entstand im Jahre 1888 die Aktien-Gesellschaft für Glasindustrie mit Sitz in Dresden.

Die Gebrüder Siemens waren auf vielen Gebieten vertreten. Friedrich war als Assistent bei seinem Bruder Werner Siemens auf dem Gebiet der Telegrafie tätig, bevor er nach England reiste, um mit Wilhelm Siemens seine Erfindungen im Motoren- und Maschinenbau einzuführen. 1867 übernahm Friedrich die von Hans Siemens gegründete Glasfabrik für Tafelglas und wandelte diese in eine Flaschenfabrik um.

Friedrich Siemens der Erfinder der kontinuierlich arbeitenden Wannenöfen mit Regenerativfeuerung für die Massener-zeugung von Glas (seit 1868) stellt die Glasproduktion auf sein System um und modernisiert den Betrieb in den Folgejahren. Die Erfindung von Werner von Siemens, kam in der elektrischen Werkbahn zur Anwendung. Im Gegensatz zu seinem Bruder, Werner wurde er nicht geadelt und trägt damit auch nicht das Adelsprädikat „von“ im Namen.
1906 und 1907 wurde in Berlin das Gerichtsverfahren gegen den früheren Direktor der Fabrik feuer- und säurefester Produkte, Böing und seinen Bruder verhandelt. In den Kreisblättern des UWW nachzulesen.

1911 wurde die erste Owens-Flaschenmaschine aufgestellt, Tagesproduktion 20.000-25.000 Flaschen (in späteren Jahren 30.000 Flaschen).

1912 wurde die neue elektrische Zentrale errichtet.

1913 beging die Aktiengesellschaft für Glasindustrie, vormals Friedrich Siemens ihr 25 jähriges Jubiläum und gab aus diesem Anlaß eine kleine bebilderte Chronik heraus, von denen einige die Gleis- und Werksanlagen zeigen.

Die Feldbahngleise in 600 mm Spurweite verbinden die einzelnen Sparten des Werkes und bewältigen den Transport von Rohstoffen für die Glasherstellung, Kohlen und Brikett für die Gaserzeuger denn die Schmelzwannen werden mit Gas gefeuert. Feuer- und Säurefeste Produkte der Chamotte werden zur Verladerampe transportiert um in Staatsbahnwagen verladen zu werden. Das Werk verfügt aber auch von Anfang an über etwa 2,5 km Normalspurgleise im Fabrikgelände zur Anlieferung von Baumaterialien, Maschinen, Ersatzteilen, Rohstoffen, Brennmaterial und zum Versand der Glasprodukte.

1917 erwarb die Aktiengesellschaft für Glasindustrie in Wirges die an das Werksgelände anschließenden Tonfelder und Belehnungen und sicherte sich damit der Schamottefabrik auf lange Sicht eine gesunde Rohstoffgrundlage.

Werksstillegungen infolge der Rheinlandbesetzung 1923-24 und der Weltwirtschaftskrise 1930-1933.

Aktiengesellschaft für Glasindustrie von 1902 bis 1943. Ab 1943 Siemens Glas AG. 1957 Konkurs.

Fortsetzung folgt: Die Glasfabrik gibt es immer noch, heute Verallia (früher St. Gobain Oberland)

 

Werkspläne oben links Gründerfirma, o re Siemens 1916, u li ca 1950

Elektrische Zentrale 1913, dieses Gebäude ist heute 2010 nebst den Fliesen noch vorhanden

Oben: elektrische Schmalspur-Werkbahn, Verladung, unten: Lokschuppen und Werkstatt

Oben: Kesselhaus, Owens-Flaschenmaschine, unten: Schmelzofen mit Glasbläsern, Flaschensortierung

Zurück